Sommer 2006 mit dem Fahrrad von Korsika nach Olkiluoto / Finnland.
     
 
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Montag, 2. Oktober 2006 – BLOG wird Tagebuch
Wähemd der Fahrt entstand an dieser Stelle ein Blog. Er ist abgeschlossen, überarbeitet und zum besseren Nachlesen in traditioneller Tagebuch-Chronologie umgewandelt:

Samstag, 13 Mai 2006 – wie alles begann.
Ein Tag kann für mich nicht besser beginnen, als mit viel Zeit zwischen Aufwachen und Aufstehen. Schon als Schulkind ließ ich mich mehrmals wecken, bevor ich aus dem Bett kam. Diese Zeit des Entspannens habe ich perfektioniert. Zeit auch für Ideen. Die besten. Heute ist so ein Tag.
Und wenn ich dann noch in meiner kleinen Hütte aufwache...

Den Winter über hatte ich hier ein Drehbuch geschrieben.

Huette im Schnee

 

Die Geschichte, von Reinhold und Günther Messner. Das Bergdrama von 1970 am Nanga Parbat. Einsamkeit, Kälte und das zum Schreiben notwendige Nacherleben hatten mich Kraft gekostet. Daher wollte ich nicht gleich wieder etwas schreiben und wollte einen kleinen Film drehen.
Doch der 20. Jahrestag von Tschernobyl, der Themenabend auf Arte, der mitreißende Jörg Hube im alten Rathaussaal, aber auch die Gleichgültigkeit der vielen, die auf dem Marienplatz bei einer Veranstaltung nur so lang stehenblieben, wie sie brauchten um zu erkennen, worum es ging – dies alles motivierte mich.
Dann hörte ich die wahre Geschichte, wie und warum nach dem 11. September vergeblich versucht wurde Atomkraftwerke zu versichern. Der beste Stoff für einen großen Film, der mir je unterkam. Ein unmittelbarer Kontakt zu Robert Redford tut sich auf. Es läuft blendend. Die kleinen Filmprojekte kommen ins Regal. Den Rest des Jahres kann ich ohne finanzielle Sorgen daran schreiben. Was soll mich zurückhalten? Nein, ich bin nicht auf der Suche nach irgendeiner weiteren Idee.
Doch heute ist sie da, sie, die verrückte Idee: ich, der Bergsteiger, muß, will, werde mit dem Rad quer durch Europa fahren. Ich, der zu Dokumentarfilmen immer hingetragen werden muß, werde eine Dokumentation drehen. Ich, der gern den Satz parat hat, die einzige Alternative zu 35 mm ist 70 mm, werde mit einer Kamera drehen, die jeder ordentliche Amateur verlacht. Verrückt, ohne Zweifel. Doch mein Gefühl sagt, das ist es: von deiner Trauminsel Korsika, von der ich seit ein, zwei Jahren weiß, daß auch sie immer noch vom Fallout durch Tschernobyl belastet ist; vorbei an Tschernobyl, jenem Ort, von dem dies ausging; bis nach Olkiluoto in Finnland. Nach Olkiluoto, wo nach 15 Jahren, klammheimlich mit dem ersten Neubau eines Atomkraftwerks in der EU begonnen worden war. Subventioniert mit Milliarden an Steuergeldern. Als ob 440 Atomkraftwerke nicht 440 Atomkraftwerke zu viel wären.
Die Vernunft rät, schlafe eine Nacht darüber – so viel Zeit muß sein.

Sonntag, 14. Mai 2006 – AUF DER ACHSE DES BÖSEN
Im letzten Sommer war ich einige Male mit dem Rad im Karwendel. Maximal 90km hatte ich an einem Tag zurückgelegt. Hin- und Rückfahrt. Eine Bergtour dazwischen. Das größte Problem war der Sattel. Oder wenn man so will, mein Hintern, für den es offensichtlich keinen bequemen Sattel gibt. Also aufs Rad. Nach ca. 35km begannen Schmerzen, die zwar auszuhalten sind, angesichts von geschätzten 5.000km kommen einige Sorgen auf. Aber mir kommt eine Idee zum Fahrrad-Sattel-Eigenbau.
Den Rest des Tages verbringe ich am Telefon und mißbrauche meine Freunde, um Reaktionen auf meine Idee zu hören. Ich bin nicht beratungsresistent. Stefan Weiß, mein Lieblingscutter (nicht mehr all zu lang, denn leider, leider ist er selbst Regisseur), antwortet schlagfertig, dann fährst Du ja auf der Achse des Bösen. Nun hat das Kind einen Namen.

Mittwoch, 24. Mai – Training beendet
Täglich fahre ich nun längere Strecken. Nach insgesamt 500km bilde ich mir ein, die 5.000km (plus/minus x) kann ich meinen schon reichlich abgenützten Knochen und Gelenken ebenso zumuten, wie meinem Hintern. Schließlich muß ich keinerlei Geschwindigkeitsrekorde aufstellen. Und mein Eigenbausattel funktioniert auch. Zeit habe ich ohnehin zu wenig. Für die Webseite, Sponsorensuche und, und, und.

Mittwoch, 14. Juni 2006 – Rohloff – Patria – Velofaktum
Heute fahre ich mit der Bahn zu „meinem“ Fahrradladen. „Mein“ Radmensch hatte gesagt, für 800 – 1.400 € bekomme ich ein Rad, mit dem ich um die ganze Welt fahren kann. Verdutzt stehe ich im Laden und sehe auf sein Angebot: ein Rad von der Stange für 699 €. Alurahmen, 28 Zoll-Räder – ein Sonderangebot. Mein Gefühl rebelliert. Nein! Schüchtern frage ich, wie ich in Weißrußland einen gebrochen Alurahmen repariert bekomme. Mit Coladosen und Panzerband. Ich will mir die Haare raufen. Soll ich lachen oder weinen? Doch was soll das nützen? Was tun? Mein Verstand erinnert mich, morgen ist Feiertag, am Montag willst du los; woher willst du Fahrradlaie jetzt das richtige Rad bekommen; nimm das hier und vertraue auf dein Glück. Doch sein Glück soll man nicht herausfordern...
Ein letzter Rat vom Fachmann: Karstadt.
Nein, ich fahre so schnell wie möglich zu einem Laden in München, der mir von einem Fahrradjournalisten empfohlen worden war. Ich war schon dort gewesen, hatte mich aber nicht wohlgefühlt. Doch die Räder sind sicher gut.
In meiner Größe ist nichts da, was ich im Moment bereit wäre zu bezahlen.
Nun zu Karstadt? Der Verstand rebelliert. Allein der Name, Karstadt. Andererseits war mir die Radabteilung schon einmal empfohlen worden. Hitze macht mir eigentlich nichts aus. Dachte ich. Doch heute...
Es ist zum Verzweifeln. Mein Verstand weiß nicht weiter, meine Gefühle auch nicht, rein mechanisch betrete die Rolltreppe, die mich in die Karstadtfahrradabteilung bringt. Da ist der erste Verkäufer. Du spinnst, mault der Verstand. Was soll’s, eine innere Stimme. Die Antwort des Verkäufers, so ein Rad haben wir nicht, gefällt mir! Der Mann hat mich offensichtlich verstanden. Er hört mir zu, und mit großen Ohren höre ich ihm zu. Spannend ist vor allem, was er über Rohloff erzählt. Den Namen hatte ich schon irgendwo einmal gehört. Aber hatten mir nicht alle, aber auch wirklich alle Radexperten ausnahmslos zu einer Kettenschaltung des Markführers geraten? Nun höre ich, so eine wird kaum die Hälfte der Strecke halten. Klar, Ersatzteile bekommt man überall – aber ob dann gerade die Richtige von 15 verschiedenen Ketten da ist? Nein, alle die derartige Touren fahren, fahren mit einer Rohloff-14-Gang-Nabenschaltung. Es ist als würde mir jemand mit einem Laub-Blasgerät das Hirn leer pusten. Neuformatiert verlasse ich das Kaufhaus.
Am liebsten will ich heute gar nichts mehr machen. Es kommt ja sowieso nichts dabei raus. Doch den Luxus von Zeit habe ich nicht! Ich will weg, so schnell wie möglich.
Wenig später telefoniere ich mit Frau Rohloff. Und ja, ich werde unterstützt. Und sie weiß da auch jemanden in München, der solche Fahrräder zusammenbaut, Thomas Metzenmacher, seine Firma, Velofaktum. Auch ihn erreiche ich. Doch er dämpft meinen aufkeimenden Optimismus, ich brauche einen entsprechenden Rahmen, z.B. von Patria, doch solche Rahmen werden speziell nach Körpergröße angefertigt und Monate voraus bestellt.
Doch mein Glück hält. Patria hat einen passenden Rahmen da, den sie für mich vorziehen können und wollen.

Freitag, 23. Juni 2006
Ein Klingeln des Paketzustellers höre ich nicht. Nur eine Abholkarte kündigt ein Paket an. Das einzige, das ich erwarte – mit großer Freude erwarte – ist das mit den Fahrradtaschen und der Liegematte von Ortlieb. Mir bleibt eine Woche, um sie abzuholen.

Freitag, 30. Juni 2006
Klar, es ist das Paket von Ortlieb.
Nein, wir dürfen in der Post kein Foto machen.
Bei der Pressestelle ist jetzt, Freitags, kurz nach
drei, niemand mehr zu erreichen.
Gut dann eben draußen...

Paket Ortlieb
© Foto: Robert Srzentic

Mittwoch, 28. Juni – mein Rad wird kommen
Übermorgen geht mein Rad bei Patria in den Versand. Ich kann es kaum erwarten. Vor Wochen wollte ich abfahren. Nach Informationen des auswärtigen Amts beginnt der Winter in den baltischen Staaten im Oktober. Meine Zeitreserven schmelzen dahin, bevor es überhaupt los gegangen ist.

Freitag, 7. Juli 2006 – mein Rad ist noch nicht da
Mein Rad ist zwar seit gestern in München, wurde aber aus irgendeinem nicht nachvollziehbaren Grund nicht ausgeliefert. Heute wird nichts zugestellt. Also Montag. Wenn es am Montag klappt, kann ich am Dienstag fahren. D.h. erst einmal mind. 100 km, um am Mittwoch alles nachsehen zu lassen.
Daraus ergibt sich als Abreisetag Mittwoch, der 12. - wenn alles klappt...
Im Reisebüro arbeiten teilweise 3 Leute, es dauert über eine halbe Stunde, eine Fahrrad-Hotline der DB wird angerufen, doch ich bekomme nur ein Ticket bis Verona. Abfahrt München Hbf, Mittwoch, 23:40. Ein Ticket mit der vorgeschriebenen Reservierung fürs Rad bis Livorno bekomme ich nicht.

Montag, 10. Juli 2006 – warten aufs Rad
8:21, ich warte auf den Anruf, der die Ankunft des Rads ankündigt.

Dienstag, 11. Juli 2006 – Rad wird fertig
Das Warten aufs Rad war gestern schon nach 2 Stunden zu Ende. Letztlich bin ich dann doch immer ein echter Glückspilz...

rad-1
© Foto: Robert Srzentic

Auch mit Thomas Metzenmacher, eine Empfehlung von Frau Rohloff. Besten Dank.
Am Abend dann fahre ich zu meiner Hütte, wo ich für eine längere Abwesenheit einiges zu tun ist. Ich muß ohnehin min. 100 km fahren, bevor Thomas M. mich endgültig losfahren läßt. Danke!

Mittwoch, 12. Juli 2006 – Rad wird fertig - zum zweiten
Nach 2,5 h Schlaf geht’s zurück in die Stadt.
Thomas Metzenmacher arbeitet buchstäblich bis zur letzten Minute.

rad-in-arbeit
© Foto: Robert Srzentic

Nein, ich muß das DB-Spar-night-ticket nicht verfallen lassen.

watch train station

© Foto: Robert Srzentic

Ich kann sogar die selbstaufblasbare Liegmatte im Gepäckwagen neben meinem Rad einweihen. Es ist so verdammt gut, die Beine auszustrecken...

Donnerstag, 13. Juli 2006 – Anreise
Der italienische Schaffner sorgt für Ordnung und ich ziehe um in den Personenwagen. Später bekomme ich von ihm ein Ticket von Verona nach Florenz. Für mich und fürs Rad zahle ich 5 €. Das beste : ich kann im Zug bleiben!
Umsteigen in Florenz – ich sehe nur den Bahnhof von Innen und so gut wie nichts der berühmten Stadt aus dem Zugfenster.
Schon im Zug ist es heiß, trotz der Klimaanlage. In Livorno ist es dann richtig heiß. Zumindest immer dann, wenn man aus dem Schatten kommt.
Alles läuft unglaublich reibungslos. Nur beim Kauf des Tickets für die Fähre muß ich zum ersten Mal mein Rad aus den Augen lassen.
Erst auf der Riesen-Fähre gibt es eine echte Überraschung: Der nagelneue Camcorder streikt. Für Sekunden das Bild auf dem Monitor: eine gewaltige Gewitterwolke über Korsika. Dann die Meldung, die mich, der ich Manuals lese, nicht überrascht : ich soll die Uhrzeit einstellen. Ich denke kurz nach, ob ich das will oder übergehen kann – dann die Meldung : Reset-Knopf drücken. Bis ich mein Schweizermesser fürs Winzlingsloch offen habe, ist die Meldung weg. Gut? Nee; egal was ich versuche – das Teil reagiert immer gleich : Reset-Knopf drücken. Die rosaroten Ränder der Wolke verblasen...
Abends viertel nach zehn fahre ich in Golfo Aranci als erster von der Fähre, nur um mich bald darauf zu verfahren. Trotzdem fahre ich weiter, um morgen nicht all zu spät eine Fähre nach Korsika zu erreichen.
Eines ist inzwischen klar : mein Hauptgegner ist die Hitze. Also will ich die angenehmen Temperaturen der Nacht nutzen.
Mindestens den kleinen Paß kurz bei Casagliana mit 136 Metern will ich erreichen. Bergauf bieten sich beste Schlafplätze an. Es kostet Überwindung. Meine Schlafbedürfnis meldet sich deutlich. Daß ich mich bei den lächerlichen 136 Höhenmetern richtig plagen muß, ruft so etwas wie Trotz hervor. Ich fahre weiter. Immer weiter. Es wird sogar so kühl, daß ich eine Jacke anziehen muß. Etwas mehr Wasser hätte ich mitnehmen sollen. An der vorletzten Tankstelle hätte ich noch etwas bekommen. Die letzte ist zu.

Freitag, 14. Juli 2006 – Sardinien Ankunft in Bonifacio
...Morgens gegen halb zwei finde ich einen halbwegs annehmbaren Platz und schlafe bestens.
Nach dem Aufwachen mache ich erst einmal eine Runde Entspannungsübungen – mit geschlossenen Augen, liegend. Das muß sein.
Ich stehe auf. Es ist 6:45.
Halb acht bekomme ich endlich Wasser.
Ab acht ist es heiß. Bald ist die Hitze kaum noch zu ertragen.
Gegen zehn muß ich rasten. Im nächstbesten Schatten...

sardinien

Von einer Anhöhe unmittelbar vor Santa Teresa kann ich die Fähre sehen. Das letzte Stück ist schnell bergab gerollt. Laut Fahrplan ist noch über eine Stunde Zeit und ich will noch einmal von Bord, um zu baden. Doch kaum habe ich das Rad abgestellt, geht die Klappe hinter mir zu und die Fähre legt ab. Mit genau der Verspätung, als hätten sie nur auf mich gewartet, den Glückspilz...
Die einzige Schattenbank ist frei, ich lege mich hin.
Bonifacio, der Ausgangspunkt DER ACHSE DES BOESEN ist einer der schönsten natürlichen Häfen der Welt.
Hätte ich gewußt, daß ich mir dem Rad nicht in den Ort Bonifacio hinauf muß, sondern direkt vom Hafen aus hätte weiterfahren können, hätte ich mir den Anstieg in sengender Hitze gespart. Aber die Aussicht ist postkartenreif:

bonifacio

Jetzt, wieder unten am Hafen, schicke ich diese Zeilen nach München, damit Uta Briegel von LO2 sie ins Netz stellen kann. Dann werde ich nachsehen, ob mit jemand auf meinen Hilferuf bezüglich der Kamera einen guten Ratschlag gemailt hat.
Die ersten Unterschriften kommen wie von selbst zustande:
Der Boss des Cyber-Cafés in Bonifacio wird richtig ärgerlich, als er hört warum ich hier bin – ärgerlich auf seine Regierung, die 10 Jahre behauptet hat, die radioaktive Wolke von Tschernobyl habe Frankreich nie erreicht. Er unterschreibt. Dann Mitarbeiter und Gäste.
Ein Angestellter – oder ist es auch der Chef? – des Nachbarcafés spricht mich an. Auch er will eine Unterschriftsliste.
Noch hält mich die Hitze davon ab, endgültig loszufahren. Ich sitze am hintersten Ende des Hafen und esse. Dabei komme ich mit einem jungen Mann ins Gespräch. Radebrechend. Er liest den Brief an Kofi Annan, unterschreibt sofort und fordert Bekannte auf zu unterschreiben.
Viertel vor 7 fahre ich los...
Es ist warm, aber angenehm. Nur von der Strecke Bonifacio – Porto Vecchio habe ich ein Streckenprofil gesehen. Rein zufällig. Die Hügel keine Überraschung. Nach all der Vorbereitungszeit und der umständlichen Anreise bin ich viel zu motiviert, um all Müdigkeit aufkommen zu lassen. Zumindest Porto Vecchio will ich erreichen.
Unmittelbar an der Umgehungstrasse von Porto Vecchio bietet ein wunderbarer Platz am Straßenrand an, etwas gegen mein Schlafdefizit zu tun.

Samstag, 15. Juli 2006 – Porto Vecchio
Ich weiß, ich werde es bereuen, bis halb acht zu schlafen. Aber ich will nicht aufstehen, ohne mein Entspannungsritual.
Dann das erste Bad im Meer. Es tut so unglaublich gut. Baumschatten und Sandstrand laden zum Bleiben, doch ich bin hier nicht im Urlaub. Also weiter. Die Hitze kann ich bis 12, beim Ortseingang von Solenzara gut ertragen. Dann schlägt sie gnadenlos zu.
Im Schatten eines Supermarktes muß ich mich setzen und über eine Stunde erholen.
Mittagessen, kurz im Meer baden.
Gewitterwolken spenden für kurze Zeit Schatten. Doch sie verziehen sich und die Abkühlung bleibt aus.
Aber es gibt ein Hotel mit Internetzugang. Blog-Schreiben und damit auch der Hitze zu entkommen ist wunderbar. Dann muß ich wieder hinaus.
Vor der Tür des Hotels werde ich von der Hitze geradezu erschlagen.
Ich muß ins Wasser. Dann im Schatten die größte Hitze abwarten, Krafttanken, noch mal ins Wasser und auf die Strasse. Das ist tatsächlich die richtige Taktik: 86 km sind nicht schlecht und mir geht es heute Abend besser als gestern.
In bester Stimmung fahre ich einen guten Extra-Kilometer für einen Traumschlafplatz.

Sonntag 16. Juli 2006 – Bastia, 1. Etappe geschafft
Beim morgendlichen Entspannen öffne ich die Augen höchst ungern. Doch heute will ich den Sonnenaufgang beobachten. Diesen verpasse ich...
Ansonsten läuft alles unglaublich reibungslos.
Mir gefällt die Form des kleinen Windrads, das sich hier nur zur Werbung, dafür aber um so eifriger dreht:

windrad-corse

Um in Bastia die einzige Kontaktperson zu erreichen, und um mich bei der Redaktion des Corse Matin zu melden breche ich die Hitzepause am Strand kurz vor Bastia früh ab und fahre weiter.
Genervt wird der Radfahrer erst bei der Einfahrt zu einem Straßentunnel in Bastia. Die letzten Meter zum Hafen, ein Tunnel – für Radfahrer gesperrt. Angezeigt erst bei der Tunneleinfahrt. Lust auf Streß mit der französischen Polizei habe ich nicht, also zurück.
Beim Corse Matin spricht man kein Englisch und bei der Kontaktperson läuft nur ein Anrufbeantworter.
Am Hafen finde ich ein Internetcafé.
Beim Warten auf die Fähre, während nun auch die Hitze nachläßt wird mir klar, daß letztlich, nach dem ich keinen Film drehen kann, nur zählen wird, ob ich die Strecke schaffe.
Sorgen macht nur mein Gesäß.
Auf der Fähre genieße ich das leckere Gnoccis, korsisches Bier und später frische Meeresluft, Sternenhimmel und den Blick übers nächtliche Meer. Unter einem Rettungsboot. Ein hervorragender Platz!. Nein, ich möchte auf keinem Fall mit einem stickigem Kabinenplatz tauschen...

Montag, 17. Juli 2006 – Ligurische Berge
Kurz nach 7 kann ich als erstes Fahrzeug in Savona von der Fähre rollen. Als erstes kaufe ich eine italienischen Fahne. Schon der kleine korsische Wimpel, hatte mir gute Dienste geleistet – so bilde ich mir das wenigstens ein. Sie ragt etwas nach links und hält mir so manches Fahrzeug zumindest ein wenig auf Distanz.
Sorge macht mir die drohende Hitze. Große Sorge. Doch mein Glück ist mal wieder unglaublich: leichte Wolken, eine Brise Wind und viel Baumschatten, nehmen dem Anstieg ihren größten Schrecken. Zumindest bis kurz vor der Paßhöhe auf 536 Meter.
Auf halben Weg nach Acqui Terre lege ich eine lange Siesta ein – inklusive Bad in einem Bach.
In der Ruhe wird mir klar, daß es richtig war und ist, jetzt aufs Tempo zu drücken. Ob ich es schaffe oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab – die meisten kann ich nicht beeinflussen. Und der Faktor Zeit spielt eine große Rolle. Alle Zeitreserven sind durchs Warten aufs Rad aufgezehrt. Schlimmer, ich bin zu spät dran. Hätte ich vorher gewußt, wie spät ich starten kann, wäre ich nicht losgefahren. Wenn ich jetzt noch mehr Zeit verliere, sind alle Chancen es bis Olkiluoto zu schaffen dahin. Doch genau darauf wird es bei der Medienreaktion primär ankommen. Nicht warum und weshalb ich noch mehr Zeit verloren habe. Es kommt also auch nicht darauf an, wie viele Unterschriften ich sammle. Mit Organisationen kann ich ohnehin nicht konkurrieren. Auch will ich keine Zeit mit Versuchen vertrödeln, die Kamera zum Laufen zu bringen.
Die Dinge sind nun einmal so wie sie sind. Ich kann nicht zaubern.
Hinter Acqui Terre wird es flach. Und dunkel- Und die ersten Moskitos tauchen auf. Die Ligurischen Küstenberge liegen hinter mir. Vor mir die Poebene.
Es dunkelt langsam, aber bevor ich einen Schlafplatz suche, will ich weg von der Hauptstrasse.
Neben einem einzelnem Baum kurz vor Oviglo halte ich an. So wie ich stehe fallen Moskitos über mich her. Sie rauben mir schier den Verstand. Zum ersten Mal kommt das Biwakzelt zum Einsatz. Danke, Gerd Pfeffer.

Dienstag, 18. Juli 2006 – das AKW in Trino
Die Sorge vor der Hitze treibt mich 5:45 raus.
Eine Banane, Wasser – gestern waren es ca. 8 Liter – und los geht’s.
Nach langer Suche in Casale das erste Internet-Café in Italien – und die italienische Tastatur ist fast so wie die deutsche...
Wenn ich jetzt der Mittagshitze nachgebe, eine Pause mache, komme ich erst gegen Abend nach Trino. Die Chancen, dort mit irgend jemanden vom stillgelegten AKW reden zu können sind ohne hin verschwindet klein. Aber ich will es zumindest versuchen. Also stecke ich Kopf und Baseballmütze unter den Wasserhahn einer Tankstelle. Sicherheitshalber frage ich, ob ich auf der richtigen Strecke bin. Nein...
Kaum bin ich in Trino von der Landstraße abgebogen, noch weit vor dem Tor, kommt mir ein kleiner Wagen mit einem Sicherheitsmann entgegen. Haben sie Sorgen, ich könnte ein Terrorist sein? Gut, meine Radtaschen könnten ja mit Sprengstoff gefüllt sein. Doch der Mann interessiert sich nicht für meine Taschen, er interessiert sich auch nicht für meine Fragen. Er hat nur einen Auftrag, und der ist, mich fernzuhalten.

atomkraftwerk trino

Dabei wollte ich sie doch nur beglückwünschen und fragen, warum hier nicht immer wieder große Freudenfeste abgehalten werden. Für mich ist der Ausstieg ein hervorragender Grund zum feiern. Auch alle Leute aus Trino, mit denen ich rede, würden sich über ein Atomausstiegsfest sehr freuen. Anders sehen nur die das, die das AKW wieder in Betrieb nehmen wollen.

Mittwoch, 19.7. 2006 - Comer See
Nur die Vorstellung bald baden zu können läßt mich weiterfahren. Nur kurz hält die Erfrischung nasser Haare und nasser Baseballmütze. Nicht immer finde ich Tankstellen. Zu rasch sind Haare und Mütze wieder trocken.
Am See weisen erst einmal Schilder auf ein Badeverbot hin. Erst nach vier finde ich einen Badeplatz unter riesigen Pinien und einer kleinen Pyramide:

Comersee

Kurz vor Pianello del Lario, es ist längst dunkel, beschließe ich in einer kleinen Parkbucht zu übernachten. Während ich esse, kommt eine holländische Familie. Nachdem Sie gehört haben, warum ich unterwegs bin, darf ich bleiben. Ewas später kommen sie noch einmal zurück und laden mich in ihr Haus ein – sie haben diese Web-Site besucht. Doch ich bin inzwischen kurz vorm Einschlafen und morgen will ich so früh wie möglich los. Es macht wenig Freude, die freundliche Einladung ablehnen zu müssen. Aber neben viel Glück und brauche ich morgen vor allem genügend Zeit, um den größten Teil vom Malojapaß zu schaffen. Was Hitze und Höhenmeter angeht – die schwerste Tagesetappe überhaupt...

Donnerstag. 20.7. 2006 - Maloja Pass.
Mein innerer Wecker läßt mich früh aufwachen. Abfahrt kurz nach fünf. Schon vor Chiavenna geht es bergauf, aber moderat. Noch fahre ich im Schatten. Dann kommt die Sonne. Der Himmel wolkenlos. Noch in Chiavenna wird es steiler. Kurz nach Chiavenna wird es richtig heiß. Herrlich die vielen Brunnen.
Nahezu jeder Mensch, mit dem ich die Zeit zum Reden finde, interessiert sich für mein Anliegen. Auch der Schweizer Grenzer. Er wünscht mir alles Gute.
Mittagspause im traumhaften Bondo.

Rast-Schweiz

Kaum habe ich mich hingelegt, da schlafe ich auch schon ein. Nach zweieinhalb Stunden wache ich auf und entspanne mich noch eine Stunde, bevor ich wieder in die Pedale steige. Meine zwischenzeitliche Hoffnung, es heute sogar bis zur Paßhöhe zu schaffen, erscheint mir wie reiner Größenwahn. Ich setze mich in den Wald und mache mich mit dem Gedanken vertraut, mich auch Morgen noch auf dieser endlosen Bergstrecke abzuquälen. Wenn ich wenigstens die Paßhöhe sehen könnte. Immer neue Bergrücken täuschen mir den höchsten Punkt meiner Fahrt vor.
Die Sonne ist längst weg. Noch immer ist nichts von der Paßhöhe zu sehen. Nein heute wird es nichts mehr. Trotzig schiebe ich das Rad. Steige wieder auf. Schiebe und fahre im Wechsel. Dann endlich sehe ich wenigstens, wie weit es noch ist. Nein, nicht heute. Ein Stück geht aber noch. Wieder schieben, wieder aufsteigen...
Mit dem allerletzten Hauch des Tageslichts erreiche ich dann doch den Scheitelpunkt. Nach kurzer Abfahrt bietet sich wunderbarer Schlafplatz an. In Richtung St. Moritz tobt sich ein Gewitter aus. Aber ich vertraue auf mein Glück und lasse das Zelt im Packsack. Es gibt keine schönere Schlafzimmerdecke, als den Sternenhimmel.

Freitag, 21.7. 2006 - St. Moritz
Die Traumstrecke überhaupt: von Silvaplana, über St. Moritz durchs Engadin.
Der Majola Pass steckt mir noch in den Knochen, aber meist geht es bergab. Nur leider wird der Gegenwind immer stärker, bis jeder noch so kleine Gegenanstieg zur Herausforderung wird.
Bei einer kleinen Pause kurz vor der Grenze zeigt die kleine Korsikafahne den Gegenwind:

Wind-Schweiz

Der Wind hat dicke, fette Gewitterwolken mitgebracht. Gegen fünf, an der Grenze zu Österreich fängt es an zu regnen. Mein erster Regen. Das heißt ich Glückspilz stehe gerade unter dem Dach eines Informationshäuschens. Nach zwei Stunden hat sich ausgewittert. Noch regnet es und es kostet Überwindung loszufahren. Doch irgendwann werde ich ja doch im Regen fahren...
Die Bundesstraße wird zur Schnellstraße. Die mangelhafte Beschilderung für Radfahrer erzwingt einen Umweg. Freundliche Menschen erklären mir trotz des heftigen Regens den Weg.
In einer Regenpause kann ich das Zelt aufstellen. Dann regnet es weiter. Aber wenig. Ich kann sitzen bleiben und Leckeres aus einem Bioladen in St. Moriz verspeisen.

Samstag, 22.7. 2006 - Innsbruck
Mein innerer Wecker läßt mich bis kurz nach acht schlafen.
Die Morgensonne während dem Frühstück reicht nicht, um das Zelt zu trocknen.
Aber in der Mittagspause am Inn geht es um so schneller. Das kleine Loch, in der selbstaufblasbaren Liegematte ist wohl zu klein, um es durch Eintauchen zu entdecken. Nicht jedoch um mich am Morgen daran zu erinnern.
Das späte Aufstehen rächt sich, denn nun bleibt keine Zeit, in der Mittagshitze zu schlafen.
Auf wunderbaren Radwegen geht’s, meist dicht am Inn, durch Innsbruck.
Lebensmitteleinkäufe sind am Sonntagabend nur noch im Hauptbahnhof möglich. Der Supermark kann sich aber sehen lassen.
Leider ist die Beschilderung am Inn-Radweg nicht für Nachtfahrten eingerichtet. Also weiter auf der Landstraße bis ich plötzlich so müde bin, daß ich an der nächstbesten Bushaltestelle schlafe.

Sonntag, 23.7. 2006 - Jenbach - Rosenheim
Frühmorgens ist die Landstraße frei und schneller als gedacht bin ich in Kufstein.
Hinter Kufstein entscheide ich mich wieder für den Radweg am Inn. Herrlich von der Straße herunter zu sein. Ein freundlicher Österreicher bietet seine Führung an. Ohne ihn würde ich schon bald wieder auf der Landstraße fahren. Doch gerade kommt man am schnellsten auf dem Radweg voran. Fast immer flach auf dem Damm neben dem Inn. Rückenwind tut ein übriges. Außerdem macht es einen großen Unterschied, ob man allein fährt oder nicht. Selbst wenn man nebeneinander fährt und ohne jeden Vorteil durch Windschattenfahren. Ich male mir aus was es bedeuten würde, im großen Feld zahlreicher Begleiter zu fahren...
So kann ich fast einen halben Tag bei meinem Freund Wolfgang verbringen. Gastfreundschaft in seiner schönsten Form genießen. Danke Alter.

Montag, 24. Juli 2006 – die ersten 1.000 km
Erst am frühen Nachmittag kann ich in Rosenheim abfahren. Bald bin ich wieder auf dem Inn-Radweg.

Auf-Rad-1

Die runde Zahl, eintausend Kilometer, löst keine freudige Erregung aus – es sind ja nur gerade einmal geschätzte 20 % der Tour. Dies heißt ja auch: 80 % liegen vor mir! Die Sicherheit, daß ich es schaffen werde, bekomme ich dadurch nicht. Auch wenn die Fahrt selbst geradezu gespenstisch reibungslos verläuft. Nein, ich will lieber nur an die nächsten kleinen Ziele denken…

Dienstag, 25. Juli 2006 – Passau
Es bleibt heiß. Und ich schlafe lang. Die Hügel der niederbayerischen Radwege verlangen mir mehr ab, als ich dachte. Sie unterschätzt zu haben, verunsichert mich.
Die Kartentasche habe ich jetzt so, daß der Blick auf den Fahrradcomputer verdeckt ist. Erst bei der Mittagsrast am Badesee – inzwischen wieder in Österreich – werde ich zum ersten Mal nachsehen; wie viele Kilometer ich schon geschafft habe… 0,00 km zeigt er für heute an. Nun schon zum zweiten Mal ist das Teil nicht richtig eingerastet. Zwei Mal muß es einrasten. Die Karte sagt, es waren wohl gerade einmal 33 km. Hätte ich gesehen, wie wenig ich bislang geschafft habe, wäre ich schweren Herzens am einladenden See vorbei gefahren.
Nach der Pause geht es weiter über Hügel. Dann eben auf der Bundesstraße. Doch sie ist schon bald für Radfahrer gesperrt. Also weiter auf dem Inn-Radwanderweg. Weiter über Hügel. Das Stück nördlich von Kufstein hatte falsche Erwartungen geweckt...
Mit den letzten Sonnenstrahlen fahre ich bei Passau über den Inn und weiter an der Donau entlang.
Kurz vor Zehn komme ich am Kraftwerk Jochenstein vorbei. Danach stehen auf einer kleinen Wiese direkt neben dem Radwanderweg einige Zelte. Bald steht auch meins...

Mittwoch 26. Juli 2006 – Linz
In Linz treffe ich zufällig auf eine Werbeaktion des oberösterreichischen Kurier. Ich frage nach der Telefonnummer der Redaktion. 2 Stunden später trifft mich ein Fotograf im Internetcafé am Bahnhof – übermorgen soll über meine Fahrt in der Oberösterreich-Ausgabe des Kuriers berichtet werden. Mit Foto.
Das pannenträchtige AKW Temelin in der Tschechei ist so nah, daß hier buchstäblich jeder Mensch sensibilisiert ist. Die Vorwarnzeit ist einfach zu kurz…

Donnerstag 27. Juli 2006 – Abstecher, Belarussisches Konsulat
Zwei weitere Zeitungen wollen berichten. Wieder verspricht man mir, Fotos und Artikel per Mail zu schicken.
Und ja, ich bin in Wien, aber nur vorab mit der Bahn von Amstetten.
Und bekomme einen Termin beim belarussischen Konsulat für Montag, um mein Visa zu bekommen.
Noch einige Telefonate, und dann werde ich zurück nach Amstetten fahren und noch ein paar Kilometer machen.
Wieder in Amstetten setze ich mich erst einmal in den schattigen Garten der Pizzeria Piazza gleich gegenüber des Bahnhofs. Der freundliche Wirt hatte mir gestattet mein Fahrrad bei ihm unterzustellen, während ich in Wien war.
Gegen neun, nach einer herrlichen Pizza breche ich auf.
Ist es die Hitze des heutigen Tages, oder der volle Bauch – ich habe das Gefühl heute kaum noch etwas zu schaffen.
Doch nach dem Zuspruch zweier freundlicher Taxifahrer, die ich nach dem Weg frage, ist alle Müdigkeit plötzlich wie weggeblasen. Im Gegenteil. Erst aus reiner Freude am fahren, dann auf der Suche nach einem Schlafplatz, fahre ich mit zwei kleinen Pausen bis zwei Uhr morgens.
Ein traumhafter, ruhiger Platz oberhalb des Donauradwegs ist der Lohn.
96 km trotz des Ausflugs nach Wien. Zufrieden schlafe ich unter sternenklarem Himmel ein.

Freitag 28. Juli 2006 – Zwentendorf
In Krems gibt es ein Internetcafé. Vergebens versuche ich, Zeitungen und den ORF auf meine bevorstehende Übergabe der Unterschriftslisten an die alte IAEO aufmerksam zu machen. Auch keine Mail von einer Redaktion...
Am Nachmittag erreiche ich Zwentendorf.

Atomkraftwerk Zwentendorf

Der Donau-Radwanderweg führt geradewegs durchs geplante Kraftwerksgelände des AKW Zwentendorf. Das kleines Lokal unmittelbar davor ist gut besucht, vor allem von Einheimischen. Hier sammle ich Unterschriften. Wieder nicht viele, aber alle die ich anspreche unterschreiben. Nein, nicht alle glauben, daß ich Erfolg haben werde. Aber keiner will Atomkraftwerke. Hier frage ich auch, warum hier keine Freudenfeste abgehalten werden – bekomme allerdings keine Antwort. Ich finde es ist eine gute Frage. Immerhin ging das betriebsfertige Atomkraftwerk Zwentendorf, auf Wunsch der österreichischen Bevölkerung nie ans Netz. War die Entscheidung damals auch knapp, heute finden sich in Österreich praktisch keine Atomkraftbefürworter. Der Atomausstieg für ganz Europa ist offizielle österreichische Regierungspolitik. Vielleicht wird ja in 2 Jahren der 30jährige Atomausstieg gefeiert...
Ich fahre weiter.
Ein Gewitter zieht auf und ich sehe mich unter einer großen Donaubrücke um. Doch der Preis für die Sicherheit wäre, Lärm, Gestank und Müll. Ich fahre weiter und finde einen optimales Plätzchen im Auwald. Es beginnt zu regnen. Zu ersten Mal spanne ich eine Plane auf, um darunter erst zu essen and dann das Zelt aufzubauen.

Samstag 29. Juli 2006 – Wien
Zwei Tage nur trödeln zu können ist ärgerlich. Lieber hätte ich mich ein wenig angestrengt und wäre schon gestern in Wien angekommen. Aber am Montag bekomme ich das Visum für Weißrußland. Dafür lohnt es sich schon etwas Zeit zu verlieren. Gemütlich kaufe ich in Klosterneuburg ein.
Abendessen auf der Donauinsel in Wien mit Blick auf die nahenden Gewitterwolken.
Der Regen holt mich aber erst in dem Moment ein, da ich ein Vordach finde.
Dann findet sich auch noch ein perfekter Platz auf der durch den Regen fast menschenleeren Donauinsel – mitten in Wien.

Sonntag, 30. Juli 2006 - Wien
Ich schlafe aus, fahre zum Konsulat, um morgen mich auf keinen Fall zu verfahren. Auf einem nahen Hügel finde ich einen Traumschlafplatz:

Wien-picknick

Montag, 31. Juli 2006 - Weißrussisches Konsulat
Nein, ich kann es kaum fassen. Von der ersten Sekunde an macht der junge Herr im Konsulat klar, was er davon hält, nur wegen mir heute zum Dienst antreten zu müssen. Ich muß eine Einladung vorweisen. Oder Hotel-Voucher. Kann ich aber im Reisebüro bekommen, sagt er. Es gibt auch eines, gleich ums Eck, in der Linzer Straße, nicht weit. Die Nummer weiß er nicht. Aber nur einmal links abbiegen und dann auf der rechten Seite.
Da sind dann zwar zwei Reisebüros. Aber keines heißt Tourist. Und niemand weiß etwas über belarussische Hotel-Voucher. Nach gut 4 Kilometern ist die Linzerstraße zu Ende. Ja, ich wäre gern durch Weißrußland gefahren. Wahrscheinlich sind alles nur Mißverständnisse, und alles nur meine Fehler. Und nein, es ist sicher weder Bürokratie, oder gar politisch gewollt. Mir ist egal, was es ist. Auf jeden Fall denke ich nicht daran, weiter Zeit, Geld und vor allem Energie verschwenden. Wenn Weißrußland nicht will, daß ich unterwegs bin, um nicht zuletzt weißrussischen Kindern zu helfen, dann kann ich das Land eben nicht durchqueren – der logische und kürzeste Weg. Ich muß einen Bogen um Weißrußland machen. Auch wenn es mir wirklich nicht leicht fällt, auf Weißrußland zu verzichten. Aber nun will ich nicht noch einen weiteren Tag verlieren. Daher muß ich mich jetzt auf den Weg machen, um meine Unterschriftslisten bei der alten IAEO abzugeben.

IAEO-Wien

Problemlos kann ich die Unterschriftslisten einem Mitarbeiter der Chefin der Presseabteilung der alten IAEO übergeben.
So schnell wie möglich verlasse ich Wien Richtung Slowakei. Ich will den guten Radweg ausnützen.
Dicht vor der Grenze treffe ich Bauern auf einem Feld. Ich darf nicht nur das Zelt hier aufstellen, sie bieten mir auch an, einen Riesenstrohballen als Windschutz für mich umzusetzen.
Ein österreichischer Polizist will mich verjagen. Wildes campieren ist in Österreich verboten. Er ist enttäuscht, von der Erlaubnis des Bauern zu hören...

Dienstag, 1. August 2006 – der „wilde, wilde“ Osten
Die freundlichen österreichischen Bauern waren die letzten, die mich warnten – vor den schlechten Strassen und der brutalen Fahrweise slowakischer Autofahrer. Doch nichts davon kann ich bestätigen. Im Gegenteil, ich war noch nirgendwo mit dem Fahrrad unterwegs, wo Radfahrer von Autofahrern vorsichtiger und mit mehr Abstand überholt werden. Auch sind die Straßenverhältnisse so, daß ich heute 160 km schaffe. So viel habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht an einem Tag geschafft.

Mittwoch, 2. August 2006 - Tatra
Jetzt, hier in Cadca, keine 30 km von der polnischen Grenze entfernt, bin ich froh über meine Routenwahl: Sollten nicht noch überraschende Horrorberge auf mich lauern, habe ich die eigentliche hohe Tatra umfahren und werde spätestens morgen in Polen sein. Allerdings höre ich von einem Radfahrer, der die Ukraine kennt, das mich erst dort wirklich völlig katastrophale Straßenverhältnisse erwarten.
Kurz nach dem Ortsende von Cadca, der erste Platten. Ein Glaskrümel in der Groesse eines Pfefferkorns mit einem dolchartigen Dorn durchbohrt die Kevlareinlage.
Bald darauf, bei Svrcinovec, geht es nach rechts von der stark befahrenen Europastraße 75 ab. Eine schmale Straße bringt mich durch ein relativ ursprüngliches Tal weiter nach Osten. Vereinzelt tauchen über mir Betonpfeiler auf. Langsam wird die Straße steiler und die Betonpfeiler höher:

Slowakei

EU-Fördergelder sorgen für den Bau einer Autobahn. Ich freue mich hier noch vor dem Lärm durchs größtenteils noch malerische Tal gefahren zu sein.
Ein letztes Steilstück und ich erreiche die Grenze.
Es wird dunkel.
Geldwechseln, Einkaufen und – viel zu müde, um einen ordentlichen Schlafplatz zu suchen – lege ich mich bald unmittelbar an den Straßenrand. Ich esse noch und schlafe unter sternenklarem Himmel ein. Die Arbeit des Zeltaufstellens spare ich mir. Schließlich ist es schon zehn und ich habe 136 km hinter mir – inklusive gut 600 Höhenmeter.

Donnerstag, 3. August - 1. Tag in Polen
Würde ich nicht inzwischen davon ausgehen, irgendwie doch ein Visa für Belarus zu bekommen, müßte ich jetzt eine neue Route suchen. Aber das hieße auch, nicht über Kiew zu fahren. Das kommt nicht in frage.
Beim Anblick einer Storchenfamilie...

Storchennest

...geht mir der Satz durch den Kopf: je höher die Storchpopulation, um so höher auch die Geburtenrate. Statistisch ist dies exakt bewiesen. Oh ja! Nur als Aussage völlig wertlos. Wertlos wie so viele Statistiken. Nicht zuletzt im Zusammenhang mit Energieverbrauchsprognosen...
Gern lasse ich mich von solchen Gedanken zumindest zeitweilig von den Steigungen ablenken. Denn leicht enttäuscht muß ich feststellen, daß die Anstiege schier kein Ende nehmen. Sie werden zwar kleiner. Nein, es sind keine Berge. Aber Hügel ohne Ende. Die Gedanken an flacheres Gelände machen es meinen Beine nur schwerer bergauf zu fahren. Oder habe ich meine Kräfte schon zu sehr verausgabt?
Dann regnet es auch noch.
Aber ein hervorragender Schlafplatz gleicht alles wieder aus.

Freitag, 4. August - 2. Tag in Polen
Bewölkt, aber kein Regen, also ideales Radwetter.
Die Ampel einer Riesenbaustelle überläßt mir eine Fahrspur auf der Europastraße 40. Das geht erstaunlich lang gut. Aber unmittelbar hinter Tarnów ist die Straße wegen der Endlosbaustelle zu schmal, und mir wird der Verkehr zu viel. Ich fahre sogar wieder ein kleines Stück zurück, um auf eine Nebenstraße auszuweichen. Das bedeutet zwar Umwege, ist mir aber lieber als das Gefühl von der Straße gefegt zu werden.
Noch in Tarnów kaufe ich ein. Ein alter Mann will sich unterhalten. Er fragt nach meiner Nationalität. Er nennt die Länder, ich verneine. Wir sind schon halb Europa durch, da ist es raus, daß ich Deutscher bin. Schlagartig verlieren sein Augen jeden Glanz. Er wendet sich ab und geht. Ein Jude, frage ich mich. Nein, ich fühle mich nicht schuldig. Doch wie gern würde ich ihm erklären, daß ich die Nazibarbarei ebenso verabscheue wie er. Auch daß es kein Recht darauf gibt zu vergessen, oder gegen anderes Unrecht aufzurechnen. Daß es vor allem keinen Sinn macht. Denn wer glaubt, sich seiner Geschichte entziehen zu können ist dazu verdammt sie zu wiederholen. All das wäre zu sagen. Aber auch, daß wir Deutschen aus unserer Geschichte gelernt haben. Nein, bin ich kein Nationalist. Ich bin nicht einmal stolz darauf, ein Deutscher zu sein. Stolz kann ich nur auf eigene Leistung sein. Das Beste am modernen Deutschland ist aber doch gerade das widersprüchliche Verhältnis, das wir zum Thema Nation haben. Die Schuld unsrer Großeltern macht uns betroffen, nicht mitschuldig. Daran erinnern mich die traurigen Augen des alten Mannes in Polen.

Samstag, 5. August - 3. Tag in Polen
Überall im Osten gibt es gut gepflegte Denkmäler zum 2. Weltkrieg. Besonders beliebte Requisiten neben Panzern sind auch Flugzeuge aller Art:

Mielec-Polen

Regen vertreibt mich von meinem Mittagsruheplatz.
Gegenwind und Rückenwind gleichen sich letztlich immer aus. Das gilt allgemein, heute ist es eher Gegenwind.
Daß Polen kein Flachland wie Holland ist, war klar, doch dadurch werden die kleinen Hügel nicht leichter. Immer wieder bin frage ich mich, wie ich diese Tour mit einer Kettenschaltung hatte schaffen sollen. Nur mit meiner Rohloff ist so eine Tour für jemanden wie mich – sprich einem reinen Gelegenheitsradfahrer – machbar.
Dann wieder Regen. Und die Beschilderung läßt Wünsche offen. Ich habe zwar eine hervorragende Karte, doch jedes Dorf ist nicht drauf. Aber auf polnischen Wegweisern wird gern auf eines der nächsten kleinen Dörfer verwiesen...
Es regnet sich immer mehr ein.
Aus Platz- und Gewichtsgründen hätte ich fast die Plane zurückgelassen, die nun hervorragend Dienste leistet. Denn unter ihr kann ich das Zelt im Trocknen aufbauen, und ich komme trocken hinein. Der nasse Poncho bleibt draußen, so wie alles andere, was naß ist.
Trocken und zufrieden schlafe ich ein.

Sonntag 6. August 4. Tag in Polen
Über nacht ist es wieder schön geworden. Rückenwind und die Aussicht, heute noch die Grenze zur Ukraine zu erreichen, beflügelt mich. Nach viermaligem Paßvorzeigen, was knapp eine Stunde dauert, habe ich die Grenze hinter mir. Unverschämt schön geht die Sonne unter.
Die Straße ist viel besser, als alle Warnungen mich befürchten ließen. Allerdings sagte einer auch, wenige Kilometer hinter der Grenze werden die Straßen katastrophal. Was für Straßen stehen mir noch bevor?
An einem perfekten Lagerplatz bewährt sich das Zelt wieder einmal auch als reiner Moskitoschutz.

Montag 7. August - 1. Tag in der Ukraine
Früh wache ich auf und fahre weiter auf einer Hauptstrasse nach L'viv (Lemberg).

flowers ukraine

Leider fehlt mir die Muse, alles aufzuschreiben, was mich unterwegs bewegt. Der Charakter meiner Fahrt hat sich völlig verändert. Zunächst dadurch, daß ich viel später als geplant abfuhr. Dann und vor allem durch die nicht funktionierende Kamera. So konnte ich den Film nicht drehen. Das ist die Ironie der Geschichte: Ich war ausgezogen um auf die Unzuverlässigkeit einer Technik zu dokumentieren. Was im Fall der Atomtechnik ein untragbares Risiko darstellt. Dokumentieren wollte ich dies mit der Technik, die mir am liebsten ist, der Filmtechnik. Nun versagt diese. Auch wenn es zugegebenermaßen um eine billige Amateurkamera handelt – doch war es nicht ein Billigteil, daß für den letzten Absturz eines Spaceshuttles verantwortlich war?
Meine Gedanken drehen sich inzwischen aber immer mehr darum, wie ich doch noch nach Belarus fahren kann. Nein, so schnell verzichte ich nicht...
Gleich am Ortseingang von L'viv bietet ein Hotel den modernsten und bequemsten Internetarbeitsplatz, an ich je gesessen bin. Während mein Rad sicher auf dem bewachten Parkplatz steht, lese ich in der ngo-online -Zeitung – auf die ich per mail hingewiesen wurde: Vier Atomkraftwerke abgeschaltet ... Lars-Olov Höglund, der als langjähriger Chef der Konstruktionsabteilung des schwedischen Vattenfall-Konzerns für deren Atomkraftwerk in Forsmark zuständig war und den Reaktor gut kennt, kommentierte: "Es war ein reiner Zufall, dass es zu keiner Kernschmelze kam."
Mir läuft es Kalt den Rücken runter. Nicht zuletzt wie ich mir sicher bin, daß es wieder nicht reichen wird. Nein, es wird nicht reichen für den weltweiten dem Ausstieg aus der Atomenergie. Nein, die Menschen werden nicht aufwachen – sonst könnte ich ja jetzt nach Hause fahren...
Also verschicke ich Mails, um doch noch eine Einladung nach Weißrußland zu erhalten.
Mit einiger Spannung erwarte ich die in der Karte verzeichnete Autobahn nach L'viv. Wird es so wie in Polen und zum allergrößten Teil in der Slowakei, wo Radfahrer problemlos auf der Standspur fahren dürfen. Oder ist es verboten? Werde ich zu riesigen Umwege über miserable Sandstraßen gezwungen? So wie ich es längst befürchtet habe.
Nein, weder Verbotschilder, noch Polizisten verweisen mich von der Autobahn. Auch hält sich der Anteil an wirklich schlechten Straßen in Grenzen.
Ein Gewitter löst die Mittagshitze ab. Unglaublich: ich bekomme nur ein paar Tropfen ab.
Blick aus dem Zelt auf die untergehende Sonne und vorbeiziehende, abregnende Wolken:

Sonnenuntergang-1

Dienstag, 8. August 2006 - 2. Tag in der Ukraine
Jeden Morgen gönne ich mir rund eine Stunde, um mich zu entspannen. Körperlich, geistig und emotional. Ohne diese eine Stunde wäre ich nicht in der Lage, in vier Wochen ohne einen wirklichen Ruhetag 2.657 km ohne körperliche Probleme fahren. Nicht einmal einen Muskelkater...
Es geht in der Tat unfaßbar gut voran.
Wie schon so oft macht es kleinen Jungs eine unglaubliche Freude, mich mit ihren Rädern zu überholen. Dann lassen sie mich vorbei, um das Spiel zu wiederholen. Heute sind es drei auf unglaublich alten Drahteseln.
Später habe ich durch eine Baustelle 6 km lang eine Hälfte der autobahnähnlichen Straße für mich.
Hier in Dubno kein Mensch spricht englisch, aber schon die ersten beiden Jungs am Ortseingang – ca. 370 km vor Kiew – wissen, daß es ein Internetcafe gibt.
Da an meinem Platz die Verbindung unmenschlich langsam ist, darf ich an den Platz der Chefin. Die meisten jungen Gäste finden mich und meine Straßenkarte der Ukraine wesentlich interessanter, als ihre Computerspiele. Sie drängen um mich. Ihre Freundlichkeit ist ebenso umwerfend wie ihre Wißbegierde, die ich allerdings nicht stillen kann.
Ansonsten ist noch davon zu berichten, daß die mich Götter des Regens und Gewitter begünstigen. Mein Glück ist unglaublich. Ein paar Kilometer sind noch drin...

Mittwoch, 9. August 2006 - 3. . Tag in der Ukraine
Kurz vor Rivne komme ich an einem Internetcafe vorbei. Kühn fahre ich weiter. Es ist noch früh am Tag und ich hoffe später wieder Glück zu haben. Ich wasche mir nur kurz die Hände. Kaum zu glauben wie herrlich warmes Wasser und Seife sein können. Den elektrischen Händetrockner benütze ich nicht – Atomstrom in der Ukraine, ist irgendwie makaber. Meine Hände sind in Wind und Sonne sofort trocken.
Mein Wetterglück hält an. Ein kurzes Stück mit Gegenwind verdeutlicht dies...
In Novohrad-Volyns´kyi finde ich ein gut ausgestattetes Internetcafé .
Etwas außerhalb endet die Suche nach einem Lagerplatz in einem geradezu idyllischen Apfelbaumgarten. Leider wir das Idyll durch unglaublichem Lärm schwer beeinträchtigt. Auf der nahen Straße ist die Hölle los und in unmittelbarer Nähe hält die Armee Schießübungen ab. Aber ich weigere mich zu glauben, die könnten scharfe Munition verwenden und freue mich über die heutigen 140 km. Ermöglicht durch ordentliche Strassen und ordentlichen Rückenwind. Bis Kiew sind es „nur“ noch ca. 230 km.

Donnerstag, 10. August - 3. Tag in der Ukraine
Geschäftstüchtig läßt mich die resolute Wirtin eines kleinen Rasthauses mit dem Handy ihrer Mitarbeiterin telefonieren. Vom Anruf in der Deutschen Botschaft in Kiew verspreche ich mir nichts. Aber in einer Mail hatte man mir dazu geraten. Man würde mir beim Visum für Belarus behilflich sein. Man ist auch wirklich sehr freundlich und sehr hilfsbereit, doch kann leider man nichts für mich tun. Ich habe keine Grund daran zu zweifeln.
Am Abend fahre ich mutig auf eine Gewitterwand zu. Diese wie in Richtung Osten unterwegs und schneller als ich. Der Mut wird mit ein ruhigem Zeltplatz inklusive Sonnenuntergang belohnt. Bildungsbürgerliche Bedenken vor Kitsch schiebe ich beiseite und drücke auf den Auslöser...

Sonnenuntergang-2

Freitag, 11. August - 4. Tag in der Ukraine
Während ich mein Zelt abbaue wechsele ich Blicke mit einem freundlichen älteren Bauer, der ganz in der Nähe seine Kühe hütet. Kaum habe ich das Zelt verstaut, beginnt es zu leicht regnen.
10 km weiter nimmt der Regen schlagartig zu. Es schüttet so richtig noch bevor ich den Poncho überziehen kann.
An einer Tankstelle frage ich nach einer Telefonkarte. Nein. Aber der Tankstellenchef bittet mich in sein Büro. Ich darf mich setzen, und er wählt sogar für mich.
Doch entgegen der Information der weißrussischen Botschaft in Berlin, spricht man ihrem Konsulat in Kiew nicht englisch.
Mittags ist es wieder schön, alles wieder trocken, und ich esse in der Sonne.
Dann Gegenwind und wieder Regen.
Doch schließlich erreiche ich in einer Regenpause Kiew.

Kiew

Fast auf die Stunde genau war ich vor vier Wochen in Bonifacio losgefahren...
Die Regenpause hält auch noch zum Zeltaufstellen. Ein Stadtwald mit Picknickplatz, unmittelbar an einem See. Ein anderes Zelt steht auch schon da. Andere übernachten in Autos. Gefunden per Zufall. Mitten in Kiew. Am Seeufer gegenüber ein kleines Lichtermeer von Hochhäusern. Nein, nicht Manhattan, aber wunderbar. Nur baden mag ich wieder nicht. Niemand badet hier. Das Wasser sieht schon schmutzig aus, und so wie man selbst hier an diesem herrlichen Platz mit dem Müll umgeht...

Samstag, 12. August - 6. Tag in der Ukraine
Am Morgen hoffe ich noch, irgendwie ein Visa für Weißrußland zu bekommen.
Aber auch heute ist keine Mail mit einer Einladung in meinem Postfach.
Zwei Reisebüros in Kiew werben im Internet. Es bleibt beim Versuch, sie telefonisch zu erreichen.
Irgendwann ist klar: ich muß den Wunsch begraben, durch Weißrußland zu fahren. Da kommt mir eine alte Bergsteigerregel für Erstbegehungen in den Sinn:
Wenn es nicht mehr weitergeht, dann muß man so weit queren, bis wieder nach oben weiter geht. Übersetzt für mich heißt dies, die einzig richtige Entscheidung lautet: zurück nach Polen und damit um Belarus herum.
Es sind allein etwa 500 km Umweg zurück Richtung Westen. Nie und nimmer hätte ich die Route so geplant. Fast falle ich auch auf die Versuchung herein, mit der Bahn nach Polen zu fahren. Aber beim Anblick wartender Menschen sagt mein Bauch klar und deutlich: das kann’s nicht sein.
So will ich zumindest heute so viel Kilometern schaffen, wie seit Wien, also 100 km. Obwohl ich gegen halb vier Kiew mit 36 km auf dem Tacho verlasse.

Sonntag, 13. August 2006 – 7. Tag in der Ukraine
Bei den gestrigen 101 km habe ich mich vielleicht ein wenig übernommen. Heute treibt mich Rückenwind voran. Ich habe keine Lust zu essen, trinke zu wenig und achte nicht darauf einzukaufen. Gegen Mittag wird es auch noch richtig heiß. An einer Tankstelle bei Zhytomyr erstehe ich Limonade, Multifruchtsaft und eine Tüte Croissants mit Cremefüllung. Am nächsten Schattenplatz falle ich mit Heißhunger und endlosem Durst darüber her. Wenig später melden sich Bauchschmerzen. Die von der wirklich üblen Art. Was die Sache noch verschlimmert, mich plagt die Frage: kann ich durchhalten?
Die einzige Medizin, die ich dabei habe sind meine Entspannungsübungen. Nach dreieinhalb Stunden raffe ich mich auf und steige wieder aufs Rad. Alle Zuversicht ist dahin. Es würde mich nicht wundern, wenn ich nach wenigen Kilometern aufgeben muß. Ich frage mich, ob ich mir ein Ziel vornehmen soll – 100 km machen zu wollen, wäre absurd. Die nächsten Meter bleiben das einzige Ziel. Die einzige Hoffnung, jetzt nur nicht erbrechen zu müssen, jetzt nur keinem Durchfall. Nichts was mich noch mehr schwächen würde. Kilometer reiht sich an Kilometer. Langsam beruhigt sich mein Bauch. Mit jeder Stunde, die ich fahren kann, kommt neue Hoffnung auf. Selbstverständlich schaffe ich heute keine100 km. Aber über die 92 am Abend freue ich mich mehr als über meine Rekordmarke von 160 in der Slowakei.

Montag, 14. August - 8. Tag in der Ukraine
Penibel achte ich darauf, nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig zu essen und zu trinken. Ich mache Pausen, so oft der Körper es verlangt.
Bei der Herfahrt hatte ich am Abend in Novohrad-Volyns’kyi das einzige Verbotsschild für Radfahrer in der Ukraine ignoriert. Jetzt werde ich mein Rad brav über die Brücke schieben.

Radfahren-Verboten

Merkwürdiger Weise kann ich heute das Internetcafé nicht wiederfinden. Und dann bin ich aus dem Ort raus. Umkehren kommt nicht in Frage. Ich bin froh über jeden Kilometer. Wer weiß was noch alles kommt...
Am Nachmittag zeigt der Gegenwind, was er kann: Er verlangsamt mich an einer ansonsten kaum wahrnehmbaren Steigung auf 3 km/h. Die Pausen werden länger. Mehrmals lege ich mich ins Gras am Straßenrand. Einmal hält die Polizei. Sie glauben ich wäre betrunken.
Heute, und auch schon an anderen Tagen, sind kaum LKWs unterwegs. Diese Schilder erklären warum...

LKW-Hitze-Verbot

...Fahrverbot für LKWs ab 25 Grad  Celsius. Nur bin ich zu müde, um mich richtig zu freuen. Statt dessen denke ich daran, wie leicht mich beispielsweise banaler Gegenwind scheitern lassen kann.
Doch der Wind läßt wieder nach.
Und dann taucht auch noch gerade rechtzeitig – bei knapp 100 km – ein kleiner Laden auf in dem ich Lebensmittel kaufen kann.
Draußen freundliche Ukrainer, die sich mit mir unterhalten wollen. Nur bin ich wirklich todmüde, will nur noch einen Platz fürs Zelt und essen und schlafen. Klar, bei diesen Menschen dürfte ich sofort im Garten schlafen. Ich müßte nur fragen. Ich verschwinde im Laden. Wieder draußen komme ich ihren Fragen nicht aus...
Wenn es mit der Verständigung hapert, deute ich mit dem Finger auf den Schriftzug auf meinem T-Shirt: Für die Kinder von Tschernobyl. Tschernobyl verstehen sie. Kinder läßt sich mit Zeichensprache erklären. Doch ich bin echt zu müde. Zu müde, um zu reden. Ich will nur weiter, will schlafen. Ich sage so gut wie nichts, werde aber doch verstanden. Und stumm nimmt einer meinen Handrücken und drückt seine trockenen Lippen drauf.

Dienstag, 15. August 2006 – 9. Tag in der Ukraine
Erleichtert stelle ich fest, daß sich meine knochenharten Schenkel über Nacht und mit Hilfe meiner Entspannungstechnik erholt haben. Aber auch heute habe ich meist Gegenwind.
Kurz vor Rivne. Hier hatte ich auf der Hinfahrt in einem kleinen Laden besonders leckere Kekse bekommen. Doch nun drohen Gewitterwolken und ich beschließe weiterzufahren. Der Gedanke, vor dem Gewitter in der Stadt zu sein. Doch mein Bauch lenkt mich nach links. Ich biege ab. Bevor ich wieder draußen bin, geht das Gewitter los. Der Laden hat einen Vorraum – ein kleines Café. Ich kann das Gewitter im Trocknen sitzend abwarten, essen und mir ein Notizen machen.
In einem riesigen Hotel in Rivne gibt es keinen Internetplatz, man schickt mich ein paar Häuser weiter. Und hier gibt es tatsächlich ein kleines Internetcafé.
Bei der Hinfahrt konnte ich auf der Autobahn Rivne umfahren. Das heißt, seit dem Autobahnkreuz fahre ich nicht mehr zurück. Das motiviert. Es sind noch ca. 160 km zur Grenze. Wenn ich wirklich wieder einigermaßen fit bin und mein Glück anhält, kann ich morgen abend in Polen sein.
Irgendwie machen mir jetzt Hügel und Gegenwind weniger aus. Trotzdem scheinen die letzten Kilometer zur 100-km-Marke Gummi in sich zu haben. Dann läßt der Wind nach, und zum Schluß ist es auch noch richtig flach. Zufrieden kann ich am Abend 108 km notieren.

Mittwoch, 16. August – 10. Tag in der Ukraine
Leichter Gegenwind kann der Aussicht, heute abend die Grenze nach Polen zu erreichen nichts anhaben - ich komme weiter gut voran.
Dann treffe ich einen polnischen Journalisten, der für eine Nachrichtenagentur arbeitet. Fairerweise verspricht er nichts, hält aber die Aussichten für recht gut. Ich werde sehen... Er will wissen, wann ich in Bialystok sein werde. Ein Freund von ihm arbeitet dort bei einem wichtigen polnischen Radiosender. Samstag rechne ich optimistisch aus...
Weder Hügel noch Gegenwind können meiner Stimmung etwas anhaben.
Bis 30 km vor der Grenze. Unvermittelt kippt der Sattel nach hinten. Die Sattelfederung, die ja schon nach 620 km in Italien die ersten Schwierigkeiten machte, ist nun unwiderruflich kaputt. Ein Aluminiumteil ist durchgescheuert und aufgebrochen. Eine handwerklich einigermaßen vernünftige Reparatur ist ausgeschlossen. Sicher würde ich irgendwo eine normale Sattelstütze bekommen. Doch damit würde mein Sattel zu weit nach vorn kommen.
Die 1. Behelfs-Reparatur mit einer Schnur hält 3 km. Ich spanne die Schnur fester und glaube es kaum, aber nun hält es.
Bis zur Grenze läßt der Verkehr immer mehr nach. Trotzdem kann ich dann an einer wirklich langen Schlange rechts vorbeifahren. Die Sonne scheint und ich amüsiere mich über die wiederholte Frage verschiedenster Uniformträger nach einem Motor an meinem Rad. Noch ahne ich nicht, wie ich damit mein Glück strapaziere. Denn die Grenzer machen keine Witze! Dieser Übergang ist nur motorisierte Fahrzeuge da. Ich will nicht an den drohenden Umweg denken. Muß ich auch nicht...
Auch meine mageren Vorräte fürs Abendessen kann ich in einem kleinen Dorfladen aufstocken. Zufrieden trinke ich ein Bier und freue mich über die heutigen 126 km. Daran können auch Mücken und Brenneseln am Zeltplatz nichts ändern.

Donnerstag, 17. August – die Fahrradtechnik
Nach 45 km ist die Schnur an der Sattelstütze durchgescheuert.
5 km weiter versagt mein nächstes Provisorium. 4 Meter Klebeband, die Schnur und ein Perlongurt müßten nun doch wirklich halten.
Hält auch. Dann wird es heiß. Ich mache eine Pause an einem Weiher unmittelbar vor Wola Uhruska. Aus der Ferne hoffe ich zunächst, hier baden zu können. Das Wasser ist mir zu schmutzig. Niemand sonst badet. Ich bin zu müde und habe zu viel Hunger, um mir einen neuen Platz im Schatten zu suchen.
Mit neuen Kräften nach dem Essen wickle ich sicherheitshalber noch ein paar Meter Klebeband über mein Sattelstützenprovisorium.
50 Meter weiter kippt der Sattel erneut. Zur Abwechslung nach vorn. Mit schmerzendem Rücken fahre ich in den Ort. Der Sattel zwingt mir nun eine unangenehme Sitzposition auf. Es ist schwülheiß.
Aber ich habe schon wieder Glück, finde ein Haushaltwarengeschäft und bekomme eine Wäscheleine. Nein, es mir gefällt gar nicht, wie mein schönes Rad jetzt aussieht – regelrecht verunstaltet –, aber die Konstruktion hält.
Früh habe ich knapp 100 km auf dem Tacho, fürs Abendessen eingekauft, und auch die Sonne wird noch eine Weile scheinen, da wird auf einem Tankstellenschild eine Dusche angezeigt. Luxus pur...

Freitag, 18. August 2006 – Biala Podlaska
Mein letztes ukrainisches Geld hatte ich noch vor der Grenze in Zlotys umgetauscht. In Biala Podlaska muß ich Euros wechseln. In der relativ großen Bank frage ich auch nach einem Internetcafé. Nein, gibt es hier nicht. Aber es gibt ein großes Hotel, das Capitol.
Im Capitol gibt es tatsächlich einen Internetplatz. Ich darf loslegen, obwohl es nicht aussieht, als wäre er für Gäste eingerichtet. Aber die Menschen hier sind einfach umwerfend hilfsbereit. Ich muß nicht einmal etwas bezahlen.

Samstag, 19. August 2006 – Bialystok
Im Internetcafé in Bialystok erfahre ich, das der Radioredakteur, der Freund des polnischen Journalisten aus der Ukraine, in Urlaub ist. Ich wundere mich über die Gelassenheit, mit der ich dies registriere. Was soll ich auch machen?
Ein heftiger Wolkenbruch als ultimativer Test für meine wasserdichten Fahrradtaschen – Ortlieb, was sonst? Ja, überhaupt meine Ausrüstung hat sich sehr bewährt. Kein Tag vergeht vor allem, ohne Dank an meine Rohloff-14-Gang-Nabenschaltung. Daß ich nicht öfter darüber berichte hat mit der Situation beim Blog-Schreiben und auch damit zu tun, daß ich ungern als Sponsor-Knecht erscheine. Nööh, echt nicht. Wenn ich etwas lobe, dann nur, wenn ich es echt gut finde. Wie das Rad von Patria. Oder die Arbeit von Thomas Metzenmacher.

Sonntag, 20. August 2006 – Centre of Europe, Polen
Stolz weist sich Suchowola als Zentrum Europas aus.

Mitte Europas

Da es verschiedenste Arten gibt, dies zu ermitteln, müssen sich die Suchowolaner dies Attribut mit anderen teilen...
Später, 5 km nördlich von Augustow, zeigt mein Tacho exakt 4000 km. Ich freue mich wie ein Schneekönig. Das gilt seit Dienstag, dem 11. Juli, als ich das Rad bekam. Dazu kommen mind. 53 km die der Tacho nicht verzeichnet hat. Die eigentliche Achse des Boesen beginnt zwar erst in Bonifacio, wo ich beim Kilometerstand von 180 abgefahren bin. Doch diese Rechnungen sind mir egal. Wirklich wichtig ist immer nur das nächste Teilstück. Jetzt, die knapp 50 km zur Litauischen Grenze. Das Wetter ist wieder gut und meine Stimmung bestens.
In Suwalki bereue ich, an besten Lagerplätzen vorbeigefahren zu sein. Der Ort will kein Ende nehmen. Auch die kleinen Hügel fordern mich. Aber auf diese Art habe ich schon viele zusätzliche Kilometer geschafft...
Beim Bierchen zum Abendessen freue ich mich noch einmal über die 4000er Marke. Auch über das Glück, das der Regen erst genau in dem Moment beginnt, da ich zum Schlafen ins Zelt krieche.

Montag, 21. August 2006 – Kaunas, Litauen
An der Grenze zu Litauen weist ein Schild darauf hin, daß ich mich ab jetzt auf der VIA BALTIKUM befinde – bis Tallinn. Der Zielort meiner vorletzten Etappe taucht damit zum ersten Mal auf einem Schild auf. Dies baut ebenso auf wie die hervorragenden Straßen und der relativ geringe Verkehr.
Beim Abbiegen auf die Umgehungsstraße um Kaunas sehe ich eine fette Wolkenwand. Ein Weile noch fahre ich sogar noch im Sonnenschein. Dann ist die Sonne weg und kurz danach geht es los. Doch inzwischen ist der Poncho parat. Meine Standspur ist meist frei. Auf der Gegenseite ist es manchem Autofahrer wohl zu viel...
Der eigentliche Wolkenbruch ist schon vorbei, aber es regnet noch, da finde ich ein megacooles Rasthaus mit Internet-Anschluß.
Der Komfort des Lokals, die ausnahmslos jungen und blendend aussehenden Bedienungen und eine freundliche Mail aus der Heimat machen mir all meine zivilisatorischen Mängel überdeutlich. Zwar ist ein Ende meiner Fahrt in Sichtweite. Auch zum Zwischenziel Riga sind keine es 280 km mehr. Aber frisch gewaschene Wäsche, warmes Essen und regensichere Dächer erscheinen auf einmal als größtmöglicher Luxus.
Auch vor dem Baltikum war ich gewarnt worden, vor miserablen Strassen und brutalen LKW-Fahrern. Letztere schienen vorgestern während des Wolkenbruchs nördlich von Bialystok dies Vorurteil bestätigen zu wollen. Doch nach gut 80 km in Litauen muß ich beiden Aussagen klar widersprechen.
Auch mit dem immer häufiger werdende Regen komme ich klar. Noch. Selbst mit dem häufigen Aufblasen des Luftpolsters auf meinem Sattel habe ich mich abgefunden. Eigentlich ist alles bestens. Sorgen bereitet nur die Sattelfederung. Wie lange wird Klebeband und Wäscheleine halten?

Dienstag, 22. August 2006
Nach einigem Gegenwind geht es schließlich doch einigermaßen, bis zum 2. Platten. Aber nur zwei Platten auf über 4.000 km: da kann man nicht maulen. So schiebe ich knapp 3 km zu einem Bushäuschen, denn es sieht weiterhin nach Regen aus. Und wie regennasser Kleber hält will ich nicht ausprobieren.
Kaum behoben, Platten Nummer 3. Also wieder alle 6 Packtaschen runter und das Flickzeug raus.
Ich nehme mir vor, die Platten zu vergessen. Damit war zu rechnen...
Auch mit Regen. Trotzdem will ich beim zweiten heftigen Schauer des Tages gerade ein wenig maulen, und sehe dabei zufällig nach rechts – auf den prachtvollsten Regenbogen, den ich je gesehen habe. Daß ein Foto der Situation nicht ansatzweise gerecht werden wird, weiß ich. Trotzdem hole ich den Fotoapparat heraus:

rainbow

Bestens gelaunt fahre ich weiter durch den Regen. Wäre ich nicht längst ein Naturfreund, so wäre ich einer auf dieser Fahrt geworden.
Mit einigem Willensaufwand und mit weiterer Überschreitung der Zeit, da ich mich eigentlich hinlegen will, mache ich trotz allem 102,25 km.

Mittwoch, 23. August 2006 - 2. Tag Litauen
Der Gegenwind hält sich in Grenzen. Trotz des späten Feierabends von Gestern und dem entsprechend späten Aufbruch Heute rechne ich schon bald in Lettland zu sein.
In Pasvalys, der letzten "richtigen" Stadt vor der Grenze kaufe ich ein.
Kekse essend wende ich mich meinem Rad zu – und ich will es nicht glauben: es steht schon wieder auf einem Platten.
Leicht genervt schiebe ich das gute Teil in eine nahe Autowerkstatt und ich lasse mir den Platten fachmännisch beheben.
10 km weiter, auf freier Strecke ist die Luft wieder draußen. Meine Stimmung sinkt. Üble Phantasien tauchen auf. Wenn ich jetzt für all mein bisheriges Glück auf dies Weise bezahlen muß... Ich schiebe– und habe doch letztlich wieder Glück: nach nur 3 km kommt eine Raststätte. Der freundliche Wirt fährt mich zurück nach Pasvalys und dort in zwei Geschäfte.
Mit neuem Schlauch und neuem Mantel geht es über die Grenze nach Lettland.
Bald findet sich eine Tankstelle, wo ich den Reifen voll aufpumpen kann. Mit meiner britische Superpumpe bekomme ich nur gerade soviel Luft in den Reifen, daß ich nicht auf der Felge fahre.
Auch sonst hindert mich nichts, meinem Ehrgeiz nachzukommen, wieder 100 km zu erreichen. So wird es zwanzig nach acht. Diese kleine 100-km-Regel mag sich lächerlich anhören. Doch ich brauche sie. Nur weil ich mich jeden Tag dem Ende der Tour deutlich nähere, kann ich allen Versuchungen widerstehen. So wurde mir geraten, auch mal ein Stück mit der Bahn zufahren. Das war sehr nett gemeint. Auch könnte ich schon von Riga mit dem Schiff nach Helsinki fahren. Aber ich muß darüber nicht nachdenken. Aus dem Bauch heraus weiß ich, daß es nicht in Frage kommt, ein Stück des Wegs auszulassen. Entweder ich schaffe es oder nicht. Mogeln gilt nicht. Mit Platten und Umwegen war zu rechnen, ich kann sie nicht gegen einen noch vor mir liegenden Teil der Strecke aufrechnen.

Donnerstag, 24. August 2006 – Riga, Lettland
Gegenwind verhindert jede Vorhersage über Ankunftszeiten. So scheint sich Riga erst einmal nicht nähern zu wollen...
Der hypermoderne Fernsehturm überaus beeindruckend – ich wähle ihn als Hintergrund für ein Foto meines polnischen Sattelstützenprovisoriums.

ernsehturm-Riga

Bis Adazi, 10 km hinter Riga, hält mein Sattelstützen Provisorium aus Polen.
Es beginnt gerade leicht zu regnen. So suche ich mir einen Baum und mache eine Mittagspause. Erst danach kümmere ich mich um die Stabilisierung der Sattelstütze. Als überaus nützlich erweist sich dabei dazu die Säge am Schweizer Offiziersmesser. Es gilt einen gut daumendicken Ast einzubauen.
Es hört zu regnen auf. Bleibt aber kühl und sieht nach weiterem Regen aus. Trotzdem nutze ich die erste Gelegenheit, um in der Ostsee zu baden. Zu lang hatte ich schon darauf gewartet. Leider ist das Wasser nicht nur echt kalt, sondern auch echt schmutzig.
Hinter Saulkrasti – nach kaum 30 km – verschiebt sich der Ast, zentrales Bauteil des jüngsten Sattelstützen-Provisoriums. Nun wäre die nächste Lösung fällig. Wenn ich nur wüßte, wie ist der Ast zu fixieren? Und wie lang wird das nächstes Provisorium halten?
Im nächsten Ort, Zvejniekciems, taucht erst einmal ein kleines Internetcafé auf. Froh über die Ablenkung, nehme ich die Möglichkeit wahr, Blog zu schreiben...
Für heute werde ich meinem Gesäß, aber auch meinem Rücken und meinen Handgelenken die Weiterfahrt mit diesem Sattel zumuten. Denn die augenblickliche Sattelposition ist nur in einer sehr unangenehmen Sitzhaltung zu ertragen. Aber für heute muß es so gehen. Nein, ich weiß wirklich noch nicht, ob und wie ich es überhaupt hinbekommen werde. Nur eines ist sicher: so kann ich unmöglich den Rest der Strecke schaffen. Im Moment verdränge ich all diese Gedanken. Mit einem anderen Gedanken lenke ich mich ab:
Eine Menschheit, die nicht in der Lage ist, ein wirklich restlos zuverlässiges Fahrrad herzustellen, sollte den Gedanken der Beherrschbarkeit von Technik überdenken. Nicht einmal die IAEO schließt es aus, daß sich Tschernobyl wiederholt. Offensichtlich aber fehlt die Phantasie, sich auszumalen, was dies bedeutet. Bislang haben wir Glück gehabt. Wie lange noch, wissen wir nicht. Wir wissen nicht einmal wie viel Glück wir hatten. Denn nach wie vor gilt bei allen Betreibern die alte Politiker-Regel, immer nur das zugeben, was sich nicht vermeiden läßt...

Freitag, 25. August 2006 – Münchhausen, Estland
Gestern Abend hatte ich zwar Zeit, mich um meine Sattelstütze zu kümmern, doch ich war einfach zu müde.
Heute morgen, ausgeschlafen und in Ruhe, klappt es in einer halben Stunde.
Münchhausen, bzw. Minhauzena gibt es tatsächlich. Inklusive Museum.

Minhauzena

Auch die Hoffnung, Klima- und Energieprobleme, mittels der Atomkraft lösen zu wollen, ist nicht mehr als ein verständlicher Wunsch – der, sich selbst am eigenen Schopf aus einem Sumpf ziehen zu wollen! Der Sumpf, die Misere: unsere Klima- und Energieprobleme. Seit 1972 weltweit bekannt. Die 20 Jahre seit Tschernobyl blieben leider ungenutzt. Nur ein Münchhausen kann in der Atomenergie das erhoffte Perpetuum mobile erkennen, als das es noch immer angepriesen wird...
Fast wäre ich an diesem Rastplatze vorbeigefahren. Fast zu früh für eine erste Pause. Doch viel zu schön, um vorbeizufahren:

Baltic beach

Ich genieße den Blick aufs Meer, aber bade nicht. Nicht das kalte Wasser hält mich ab, es ist der Schmutz. Warum müssen wir Menschen nur alle Gewässer nach und nach so verdrecken?
Kurz vor der Grenze nach Estland steht ein riesiges Windrad. Es zeigt: es geht auch anders.
Mir zeigt es allerdings auch an, daß der Gegenwind keine Einbildung meiner müden Beine ist.

windmill-Latvia

Die Internetnutzung im kleinen Café hier in Häädemeste, direkt neben der kleinen Bank, wo ich Geld wechseln kann, ist kostenlos. Froh schicke ich den Blog ab und will nur kurz nachsehen, wie lang die Fähre von Tallinn nach Helsinki braucht. Mindestens 3 bis 4 Mal habe schon ich die Abfahrtszeiten der Fähre gesucht und gefunden, 8:00 und 16:50. Diesmal nicht. Dafür finde ich eine Fähre um 12:30. Dann streikt der Computer, Browser oder was auch immer. Niemand spricht hier deutsch oder englisch und ich fahre leicht verunsichert weiter. Denn eines ist sicher, morgen kann ich es möglicherweise nach Tallinn schaffen, aber nicht einmal rechtzeitig für die letzte Fähre um 16:50. Also schon heute gemütlich früh einen Lagerplatz suchen? Denn Sonnenuntergang im Meer beobachten. Baden? Das hieße noch vor Pärnu anzuhalten. Meine  größte Sorge gilt dem Gegenwind. Er könnte jederzeit schlimmer werden. Ein wenig Pech, und morgen werde ich wer weiß wie sehr eingebremst. Vielleicht verliere ich gar einen weitern Tag. Nein, das kommt nicht in Frage. Außerdem war eines von Anfang an klar: dies ist keine Vergnügungsreise. Dieser Gedanke hat läßt mich immer wieder alles ertragen. Bislang.
Außerdem bin ich echt froh, daß meine letzte Bastelarbeit an der Sattelstütze über 80 km gehalten hat....
In Pärnu zwingen mich Mückenschwärme die Sonnenbrille aufzusetzen. Dafür läßt der Gegenwind nach.
An meinem Zeltplatz mitten in einem Sumpfgebiet bleiben die Plagegeister erstaunlicherweise aus, und ich kann vor dem Zelt essen und leckeres estisches Bier genießen.

Samstag, 26. August – Tallinn, Estland
Endlich flaches Land. Ich komme voran. Nachmittags kommt leichter Gegenwind auf, hält sich aber in Grenzen. Ich schaffe 100 Kilometer ziemlich früh. Trotzdem keine Chance, die 16:50 Fähre zu erreichen. An den letzten guten Zeltplätzen vor Tallinn fahre ich vorbei. Ein kleines Stück fahre ich zusammen mit 3 polnischen Studenten. Wieder zeigt es sich, wie viel Kraft gemeinsames Fahren gibt.
In Tallinn gehe ich nicht Einkaufen. Völlig widersinnig gebe ich einem Impuls nach und fahre weiter. So komme ich ohne Halt zum Hafen.
Hier weisen Schilder rechts wie links zu den Fähren nach Helsinki. Ich überlasse meinen Bauch auch hier die Entscheidung. Rechts.
Gegen 19:15 erreiche ich nach 124 km ein riesiges Terminal. Ich schließe das Rad ab und wasche mir erst einmal die Hände. Muß sein. Dann erfahre ich, wo ich das Ticket kaufen muß: 500 Meter weiter in einem kleinen Häuschen. Die Schnellfähre, die keine 2 Stunden brauchen soll, geht um acht. Pünktlich um Acht, sagt man mir. Am Fahrkartenschalter erfahre ich, daß sie keine Euros nehmen, und ich erst noch wechseln muß. Im großen Terminal.
Pünktlich um Acht wird abgelegt – mit mir an Bord. In allerbester Stimmung.
Ich esse, trinke und rasiere mich – was dringend nötig ist und kann mich sogar noch eine halbe Stunde auf eine Bank legen, bevor ich in weniger als 2 Stunden in Finnland mal wieder als erster vom Schiff rolle.
In Helsinki verfahre ich mich als erstes. Es scheint es zunächst ziemlich aussichtslos, genau die kleine Landstraße zu finden, auf der ich weiter will. Doch die Finnen sind freundlich und helfen gern. Die Stadt aber scheint keine Ende zu nehmen. Allmählich bin ich unsicher, ob ich noch richtig bin. Von vielen Leuten an einer großen Tankstelle kennt niemand meinen Weg. Erst buchstäblich der letzte Mensch kennt sich aus. Überaus freundlich und ausführlich beschreibt er den Weg. Einem guten Kilometer weiter bin ich wieder unsicher. Die Straßen sind inzwischen menschenleer. Beim Blick auf die Karte sehe ich vor mir einen Wagen anhalten. Ein Mann steigt aus. Ich frage mich, ob ich mir Sorgen machen soll. Es ist der freundliche Finne von vorhin. Er wartet auf mich, um mir eine detaillierte Fahrradkarte zu schenken...
Zwanzig vor zwölf biege ich ab in einen Wald. Für heute ist’s genug, 148,43 km.

Sonntag, 27. August– 1. Tag in Finnland
Der Wald, in dem ich aufwache, stellt sich als wilde Mülldeponie heraus. Sicher eine Ausnahme. Und meine Stimmung lasse ich mir ohnehin nicht nehmen. Denn nun habe ich eine Chance, innerhalb von 2 Tagen nach Olkiluoto zu kommen und trete in die Pedale.
Der Morgennebel ist mir ganz rech

mist-Finland

Er ist mir lieber als Hitze. Von Gegenwind abgesehen, wird der Radfahrer durch kein Wetter so heruntergebremst, wie durch Hitze. Selbst wenn es hier kaum so schlimm werden würde wie im Süden – ich habe das Gefühl, keinerlei zusätzlichen Anstrengung gewachsen zu sein. Nein, ich bin wirklich nicht mehr allzu fit.
Und ich glaube es kaum: auch hier in Finnland gibt es mehr kleine, meine letzten Kräfte verzehrende Hügel, als das erhoffte flache Land.
Der abgestorbene Wald ist nicht gerade klein, aber sicher eine Ausnahme:

dead trees Finland

Doch er zeigt die Verletzbarkeit der Natur durch den Menschen. Die Verkürzung aller Umweltfragen auf den Klimaschutz ist einfach lächerlich. Für die toten Bäume ist sicher nicht das Klima, sondern höchstwahrscheinlich sauerer Regen verantwortlich, d.h. unmittelbare Luftverschmutzung. Falsch wie zu glauben, verantwortlicher Umgang mit unserer Umwelt, wäre nur ein Kostenfaktor. Wenn der Maßstab Ökologie mißachtet wird, erscheint dies früher oder später in auch in jeder Bilanz. Wobei die Regel gilt: der Schaden wird um so größer, je länger es dauert, bis er bemerkt wird.
Die Suche nach Internetcafés bleibt erfolglos. Aber ich erfahre zumindest, daß man in Finnland in allen öffentlichen Bibliotheken kostenlos ins Internet kann. Auch noch spät abends. Aber öffentlichen Bibliotheken sind auch in Finnland Sonntags nicht geöffnet.

Montag, 28. August 2006 – OLKILUOTO
Optimistisch rechne ich damit, heute das Ziel – Olkiluoto – zu erreichen. Ohne diese Aussicht, würde ich kaum die Hälfte der Strecke schaffen. Bedenkenlos esse ich Traubenzucker, Schokoriegel und immer wieder Bananen. Und mache Pausen. Hier mein letzter Rastplatz mit der letzten Banane:

last rest

Noch glaube ich es der letzte ist der Rastplatz.
Oft noch muß ich die Fahrt unterbrechen. Immer kürzer werden die Fahrtstecken. Gern halte ich an, um zu fotografieren. Willkommene Verschnaufpausen.
Schon zweimal hatte ich ein Hinweisschild auf Sammallahdenmäki gesehen. Ein von der UNESCO geschütztes Weltkulturerbe. Keine Ahnung, was sich dahinter verbirgt. 800 Meter Umweg wären es nun. In letzter Sekunde entscheidet mein Bauch, diese zusätzlichen 1,6 km in Kauf zunehmen. Ich weiß nicht warum, aber ich fahre in den lichten Wald und finde die älteste Grabstätte Skandinaviens (über 3500 Jahre). An einem Brett im winzigen Besucherzentrum finde ich eine kleine Karte (Maßstab 1:200.000), die mir den genauen Weg nach Olkiluoto zeigt. Meine Schätzung, etwas 20 km Luftlinie, wird bestätigt. Schön. Vor allem aber: vom letzten Ort zur Abzweigung nach Olkiluoto sind 5,8 km angegeben. Mich jetzt zum Schluß noch einmal so richtig zu verfahren – ein Alptraum. Selbstverständlich setze ich mich als einziger Besucher an den einzigen Picknicktisch. Essend und trinkend freue ich mich über mein anhaltendes Glück.
Während ich mich auf den Weg mache, kommt mir der Gedanke, daß auch dieses Kulturdenkmal im Falle eines GAUs in Olkiluoto innerhalb der 30-km-Zone liegt, die Tschernobyl für unabsehbare Zeit umgibt.
Ein Schild, wie ich es noch nie gesehen habe, und ich weiß mir keine andere Deutung, als den Fotoapparat herauszuholen. Obwohl ich wirklich nicht verstehe, warum ich dies tun soll:

waste of energy Finland

Für mich demonstriert das Bild jedoch recht anschaulich, wie übertrieben gut hier Straßen beleuchtet werden. Auch noch 5 km außerhalb von kleinsten Ortschaften. Kein Haus weit und breit. Aber man hat ja genug Strom. Atomstrom. Ist ja angeblich sooo billig...
Nun das erste Schild nach Olkiluoto:

road sign Olkilluoto

Seit der Karte in Sammallahdenmäki weiß ich, von dies Abzweigung hier sind noch 12 km. Nun ist es keine Frage mehr, ob ich heute noch ankommen werde. Bislang bin ich 95 km gefahren. Alle Zweifel daran, ob ich durchhalten kann, verflüchtigen sich. Auch werde ich vor 18:45 da sein, das heißt:
von Bonifacio nach Olkiluoto in nicht mehr als sechs Wochen und drei Tagen.
Ein Gewitter warte ich unter einer Fichte ab und esse meine letzten Vorräte auf. Nun habe ich nur noch Traubenzucker und einen winzigen Schokoriegel.
Und dann bin ich da.
Mein Glück hält bis zum Schluß. Völlig problemlos, auch ohne jegliche Kontrolle gelange ich aufs Gelände der Atomanlage.

Windmill Olkiluoto

Warum hier ein so gewaltiges Windrad steht, weiß ich nicht. Irgendwie bin ich davon überzeugt, auch die AKW-Betreiber wissen es letztlich nicht. Sicher ist ihnen nicht bewußt, daß sie selbst damit den Abgesang auf die Atomtechnologie eingleitet haben – zumindest symbolisch. Sie werden dies sicher bestreiten. Doch mir gefällt der Gedanke.
Doch was nun? War’s das? Nein!
Gestern hatte ich ein Handtuch gefunden, das mich auf eine Idee brachte: Ich werde versuchen in der Ostsee vor dem AKW zu baden. Ein symbolischer Akt, der demonstriert, daß ich 1. keine Panikmache betreibe, und es 2. darum geht, eine neue Zeitrechnung in der Auseinandersetzung um Atomenergie einzuläuten. Eine Auseinandersetzung, ohne Andere zu verteufeln. Eine Auseinandersetzung ohne ebenso spektakuläre wie aussichtlose – und damit sinnlose – Schlachten mit der Polizei. Ohne Gewalt. Gewaltlos auch in der verbalen Auseinandersetzung.
Noch weiß ich nicht, ob es mir gelingen wird, überhaupt einen Ort zu finden wo ich ins Wasser kann. Ob ich daran gehindert werde, und wie das Foto wird, das ich dabei von mir selbst machen möchte, ob die Anlage im Hintergrund mit aufs Bild kommt. Sich mit ausgestreckter Hand selbst zu fotografieren, ist eine unsichere Angelegenheit. Höchst zweifelhaft, daß dabei ein halbwegs brauchbares Bild entsteht.
Mein Glück hält an. Auch hier, einem großzügigem Besucherzentrum, bin ich der einzige Besucher. Ein Fuß- und Radweg führt zu einem Seiteneingang. Und es gibt die Möglichkeit, ins leider unsaubere Brackwasser zu gehen.

simming in Olkiluoto

Die Weiterfahrt nach Rauma, die zu guter Letzt auf einem wunderbaren Campingplatz endet, artet zunächst noch einmal zur schier endlosen Herausforderung an meinen Durchhaltewillen aus. Mein Magen ist leer. Der letzte Schokoriegel gegessen. Nach 5 Stück Traubenzucker schmerzt mein Bauch. Ich bin buchstäblich zum Umfallen müde. Kleinste Strecken bergauf zwingen zu Pausen. Ich schiebe. Bin einfach müde, sonst nichts. Keine Emotionen. Nur der Wunsch, mich hinzulegen und zu schlafen. Doch dies gehört schon fast nicht mehr hierher, denn die eigentliche Fahrt AUF DER ACHSE DES BOESEN hat mit dem Bad ihr Ende und damit auch dieser Blog.

Epilog
Wichtig ist mir, noch einmal ausdrücklich allen Unterstützern zu danken, ohne die diese Fahrt nicht möglich gewesen wäre:
Thomas Metzenmacher – velofaktum
Jochen Kleinebenne – Patria
Barbara Rohloff – Rohloff
ferner
Christoph Schleidt – Ortlieb
Sowie hier an letzter Stelle, aber unbezahlbar für unermüdliche Arbeit mit dieser Site und diesem Blog:
Uta Brigel – LO2
Alle anderen Unterstützer mögen bitte verzeihen, daß ich hier “nur“ auf die Seite Unterstützer verweise,
aber die Obengenannten, haben diesen ganz speziellen Dank mehr als verdient.